Depressionen in der Beziehung

Dorothee Ellerbrake

Depressionen können zu einer hohen Belastungsprobe für eine Partnerschaft werden. Nicht selten zieht sich die depressiv erkrankte Person zurück, was für beide Beziehungspartner zu großer Verunsicherung führt. Die gesunde Person fragt sich: Ist der Rückzug meiner Partnerin oder meines Partners ein Zeichen für eine ungesunde Beziehung? Oder sind es die typischen Symptome einer Depression
(u. a. Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, emotionale Leere)? Trennungsgedanken schleichen sich immer häufiger in die Beziehung. 

Warum haben Angehörige von depressiv erkrankten Partnern Trennungsgedanken?

Schlicht gesagt: Weil sie am Ende ihrer Kräfte sind. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Angehörigen-Burnout. Dazu gibt es verschiedene Facetten:


  • Die depressive Person hat keinerlei Krankheitseinsicht.
  • Die Krankheit wird verheimlicht, nicht selten auch im engsten (familiären) Umfeld.
  • Der „Funktionsmodus“ in der Beziehung ist außer Kraft, d. h., dass Aufgaben, die sonst zwei Beziehungspartner übernommen haben, nun eine Person alleine stemmen muss.
  • Neben der körperlichen Erschöpfung der Angehörigen kommt eine emotionale Erschöpfung hinzu (z. B. Bewältigung von Rückfällen, gefühlter Stillstand bei der Bewältigung der Krankheit, fehlende Zuversicht in eine gemeinsame Zukunft). 


Manchmal ist die Depression eine Art Lupe auf die Konfliktpunkte in der Partnerschaft.


Eine Trennung ist dann unausweichlich, wenn die Gesundheit der Angehörigen Person ebenso gefährdet ist. Auch wenn die erkrankte Person jegliche professionelle Hilfe wie eine Therapie, einen Klinikaufenthalt, oder die Einnahme von Medikamenten verweigert,

liegt eine Trennung nahe. 

Warum will sich die depressiv erkrankte Person trennen?

  • Die erkrankte Person hat Angst, den gesunden Partner/die gesunde Partnerin zu sehr zu belasten oder gar gesundheitlich zu ruinieren.
  • Die depressive Person sieht in der Beziehung den Grund für die Depression.
  • Die depressiv erkrankte Person hat eine verzerrte Wahrnehmung auf die Beziehung, was allerdings ein Symptom der Erkrankung ist. 
  • Die depressive Person spürt keinerlei Emotionen und keine Verbindung mehr zu ihrem Partner/ihrer Partnerin. 

Tipps, wie Angehörige Personen mit der Depression in der Beziehung umgehen können:

  • Nimm das Verhalten der erkrankten Person nicht persönlich. Eine Depression sagt zunächst nichts über ihre Liebe aus. Es ist sinnvoll, sich professionelle Unterstützung zu suchen, um die Lage zu „sortieren“. 
  • Eine Depression kommt oft schleichend daher. Wenn eine Partnerin oder ein Partner auffällig reizbar ist, sprich diese Veränderung an. 
  • Akzeptiere, dass die depressive Person sich aufgrund ihrer Erkrankung nicht wie gewohnt in das Familiengeschehen einbringen kann. Ihr fehlt schlicht die Energie, die Motivation und die Lebensfreude. 
  • Dennoch: Nimm der erkrankten Person nicht alle Aufgaben ab. Sie fühlt sich dann möglicherweise noch hilfloser, was sich wiederum auf den ohnehin schon angeknacksten Selbstwert auswirkt. 
  • Die Behandlung einer Depression gehört in professionelle Hände. Du bist als Angehörige oder Angehöriger nicht der Therapeut/die Therapeutin. 
  • Wenn deine Partnerin oder dein Partner keine Krankheitseinsicht hat, ermutige ihn oder sie, sich Unterstützung zu holen. Bei der Depression handelt es sich um eine psychische Erkrankung und nicht um eine Schwäche! Wenn dein Partner oder deine Partnerin Suizidgedanken äußert, fahrt in die nächst gelegene psychiatrische Notaufnahme! 
  • Auch wenn die Depression gut behandelt wird, gibt es Sorgen. Teilt diese! Diskutiert eure Ängste, z. B. vor einer neuen Episode. Und dass ihr Sorge habt, dass der nicht erkrankte Partner/Partnerin die Beziehung verlässt. Auch die gesunde Person darf äußern, dass sie sich teilweise überfordert und mutlos fühlt. 
  • Die gesunde Person sollte ihre Interessen nicht aufgeben. Die Depression kostet sie auch viel Kraft und sie sollte etwas für ihre mentale Gesundheit tun, ohne sich schuldig zu fühlen. 

Wenn die Trennung seitens der gesunden Person unausweichlich ist ... 

  • Kommuniziere klar, dass du die Trennung willst.
  • Sage Deiner Partnerin oder deinem Partner, dass du akzeptierst, dass er/sie sich nicht helfen lassen will, du aber den Weg dann nicht mehr gemeinsam mit ihr/ihm gehen kannst.
  • Beziehe das Umfeld für die erste Zeit nach der Trennung als Unterstützung ein (wenn Kinder involviert sind, prüfe, wer bei der Kinderbetreuung, Fahrdiensten etc. unterstützen kann).
  • Stehe zu deiner Entscheidung, dich zu trennen und halte dich von Personen fern, die deine Entscheidung nicht akzeptieren wollen.
  • Kümmere dich nicht mehr um die Erkrankung deines Partners oder deiner Partnerin. Sonst wechselst du nur den Haushalt, nicht die Rolle. 
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